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Ferien auf dem Hausboot bedeutet 100% Entspannung

Die Hektik ist eine Landratte und bleibt im Hafen zurück. Allenfalls an der ersten Schleuse versucht sie nochmal, das Hausboot zu entern. Es gelingt ihr zwar für einen Moment, aber nach dem Verlassen der Schleuse geht sie endgültig über Bord und Entspannung macht sich breit vom Bug bis zum Heck unserer Penichette.

Die Sâone ist eine Wasser-Nebenstraße in Ost-Burgund. Sie schlängelt sich gemächlich durch hügelige Weidelandschaft. Das Unspektakuläre an dieser Gegend ist gerade das Besondere. Das Leben an Bord nimmt diesen angenehmen Rhythmus dankbar auf. Und während für die Seele vor lauter Nichtstun und kontemplativer Langsamkeit Entschlackung angesagt ist, wartet auf unsere Mägen Schwerstarbeit. Das ganze Denken kreist immer um die selben Fragen: Wo machen wir zum Essen fest? Und was für Gaumenfreunden gönnen wir uns? Der Fluss macht uns zu Schlemmern. Dieser magische Zauber wirkt übrigens nicht nur auf unserem Boot. Denn ab ca. 11.00 Uhr vormittags grüßen andere Freizeitkapitäne bei Ihrem Urlaub in Irland mit dem Aperitif-Glas in der Hand zu uns herüber. Wer möchte nicht von dieser Krankheit angesteckt werden? Doch zunächst muss die Crew die heutige Etappe genau planen, damit die Versorgung mit Lebensmitteln, Getränken, Schiffsdiesel und Frischwasser auch gewährleistet ist. Anhand unserer Flusskarte legen wird die Etappenziele fest und entscheiden, wo wir anlegen, einkaufen, Wasser fassen. Bei den Schleusenwärtern holen wir uns die aktuellen Tipps für regionale Spezialitäten und decken uns mit frischem Obst und Gemüse aus dem Garten ein. Einige „éclusiers“ bieten auch Honig, frische Eier selbstgemachte Marmelade, Wein oder Schnäpse an.


Unser erster Tag an Bord geht zu Ende. Er war so aufregend, alles war neu und die banale Routine wollte erst gemeistert sein, dass wir beschlossen, an einem gesicherten Anlegeplatz die Nacht zu verbringen. Außerdem soll man in der hiesigen Dorfkneipe gut essen können. Der morgendliche Weckruf gehört irgendeinem Vogel, den wir nicht näher bestimmen können, die Uhrzeit schon: 7:28 Uhr. Das Leben an Bord beginnt: Landgang zum Baguette kaufen. Nach dem Frühstück heißt es „Klar Schiff“ zum Ablegen. Heute sind die Handgriffe, die gestern noch ungewohnt warten, schon Routine – im normalen Leben ein Garant für Langeweile, frischgebackene Freizeitskipper schmecken die Souveränität, die darin enthalten ist. Lesen, kucken, nichts tun, alle Formen des Müßiggangs sind an Bord zu finden. Das „dolce far niente“ macht sich sogar so breit, dass man kaum noch einen freiwilligen Steuermann findet; und vorgestern musste man sich am Steuerrad noch fast festketten, um wenigsten fünf Minuten dranbleiben zu können.

Zum Abschluss gibt’s natürlich noch ein Käptn’s Dinner. Bei uns fällt es bescheidener, aber sehr stimmungsvoll aus. Zuerst finden wir einen Platz zum Festmachen auf freier Strecke, dann wird ein opulentes Picknick vorbereitet, mit allem was der Bordkühlschrank hergibt. Stilecht wird gegrillter Fisch gereicht. Und den Schlusspunkt setzt in der Nacht ein Gewitter „Son et lumière“ wie der Franzose sagt. Ein ganz besonderes Spektakel auf dem Fluss. Das Gewitter war Gott sei Dank schnell vorbei, die Ferien auf dem Hausboot leider auch.

 

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